Auf dieser Seite finden Sie Eindrücke aus meinem Jahr als Parlamentspräsident. 
Parlamentsfeier 2026
Anlässe / Reden / Treffen
Geschätzte Frau Bundesrätin
Geschätzte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche und unserer neuen Partnerstadt
Geschätzte Wilerinnen und Wiler und Gäste aus nah und fern

Es gibt viele Gründe, stolz auf Wil zu sein. Unsere Geschichte ist einer davon. Noch wichtiger sind aber die Menschen, die diese Geschichte jeden Tag weiterschreiben. Denn eine Stadt ist weit mehr als ihre Gebäude. Sie lebt von den Menschen, die hier wohnen, arbeiten, im Vereinsleben einbringen und sich Tag für Tag für das Gemeinwohl einsetzen.
Wil blickt auf eine lange Geschichte zurück. Doch noch spannender ist die Geschichte, die wir gemeinsam weiterschreiben. Im Wiler Lied heisst es:
"S'git schöni Länder, grossi Städt und Dörfer chli gär vil..."
Und tatsächlich – schöne Orte gibt es viele. Doch entscheidend ist nicht ihre Grösse. Entscheidend ist das Gefühl, nach Hause zu kommen.
Deshalb heisst es im nächsten Vers:
"Doch s'liebschti Städtli uf de Welt, das isch mis Städtli Wil."
Dieses Gefühl entsteht nicht von selbst. Es entsteht durch Begegnungen. Durch unsere Vereine, unsere Schulen, unsere Unternehmen, unsere Kultur und all die Menschen, die Wil zu dem machen, was es ist.
Vor 600 Jahren hat Ulrich Rösch Wil entscheidend geprägt. Er wurde in Wangen im Allgäu geboren und schuf einen grossen Teil seines Lebenswerks hier bei uns. Umso schöner ist es, dass Wil und Wangen heute offiziell als Partnerstädte verbunden sind. Damit verbindet uns nicht nur eine gemeinsame Geschichte, sondern auch der Blick nach vorne.
Ich durfte Wangen unter anderem am Rosenmontag kennenlernen und dort eine eindrückliche Fasnacht erleben. Den Narrenruf «Schelle, schelle – Schell au!» habe ich sogar mit nach Hause genommen. Aber keine Sorge: «Huh a Lotsch» bleibt selbstverständlich unser Narrenruf. Auch eine Städtepartnerschaft hat ihre Grenzen.
Manchmal frage ich mich, was Ulrich Rösch wohl sagen würde, wenn er heute hier mit uns durch Wil spazieren könnte. Vielleicht würde er über manches staunen. Vieles würde er kaum wiedererkennen. Aber ich bin überzeugt: Er würde uns nicht fragen, warum sich Wil verändert hat.
Er würde uns fragen, ob wir den Mut haben, unsere Stadt mit derselben Weitsicht weiterzuentwickeln, wie er es vor über 500 Jahren getan hat. Ulrich Rösch hat Wil nicht geprägt, indem er am Bestehenden festhielt. Er hatte den Mut, Neues zu wagen und über seine eigene Zeit hinauszudenken. Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft, die er uns bis heute mitgibt. 
Eine Stadt darf sich verändern. Ja, sie muss sich sogar verändern. Aber sie darf dabei nie vergessen, was sie ausmacht. Genau dafür steht auch der Hof zu Wil. Mit dem Abschluss der dritten und letzten Bauetappe wird heute nicht einfach ein Bauprojekt beendet. Vielmehr erhält ein Ort von grosser historischer Bedeutung neues Leben. Der Hof verbindet uns. Er bewahrt unser kulturelles Erbe und schafft gleichzeitig Raum für Begegnungen, Kultur und Austausch.
Wil wächst. Neue Menschen finden hier ihr Zuhause. Neue Ideen entstehen. Gleichzeitig bleiben unsere Vereine, unsere Traditionen und das freiwillige Engagement das Fundament unserer Stadt. Gerade diese Mischung macht Wil aus – offen für Neues und gleichzeitig stolz auf das, was uns verbindet.
Und eine Stadt lebt nicht von ihren Gebäuden. Beides lebt von den Menschen, die Begegnungen ermöglichen, Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft schaffen. Wenn wir die Zukunft gestalten, wünsche ich mir deshalb vor allem eines: Dass Wil seinen Charakter bewahrt. Dass wir offen bleiben für Neues, ohne unsere Wurzeln zu vergessen. Dass wir Bewährtes pflegen und gleichzeitig Platz schaffen für neue Ideen.
Denn wenn uns das gelingt, dann wird auch in Zukunft gelten:
"Doch s'liebschti Städtli uf de Welt, das isch mis Städtli Wil."
In diesem Sinne wünsche ich dem Hof zu Wil viele spannende Begegnungen, unserer Stadt Wil weiterhin eine erfolgreiche Entwicklung, unserer Städtepartnerschaft mit Wangen im Allgäu viele bereichernde Kontakte und uns allen einen schönen gemeinsamen Tag.
Herzlichen Dank.

Bild: Benjamin Manser

Eintrag in golden Buch der Stadt Wangen im Allgäu (Bild Stadt Wangen)

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